Sag, Yvonne, was liest du gerade?

Der heutige Montag hat uns mit viel Sonne belohnt – wohl dafür, dass bei uns allen gerade nichts mehr so ist, wie wir es gewohnt waren, dazu gehört auch die Bequemlichkeit. Österreich ist in Quarantäne. Wir haben bis auf ein paar wenige Ausnahmen Ausgangsbeschränkungen und wenn es euch so geht wie mir, dann informiert ihr euch im Stundentakt über Neuigkeiten und hofft auf Good News. Komisch eigentlich, wie schnell wir uns Gewohntes zurückwünschen, etwas, das wir als selbstverständlich hinnehmen, ohne viel darüber nachzudenken, Der Kaffee mit einem lieben Menschen? Abgesagt. Der Besuch bei den Eltern. Abgesagt. Ein Workout nach der Arbeit? Abgesagt. Ein Blick in die Buchhandlung. Abgesagt.

Womit wir eigentlich schon beim Thema wären: Bücher. Unsere Gefährten, unsere Ratgeber, unsere Weltendeuter, unsere Wortmagier, nicht nur, aber auch in schwierigeren Zeiten. Also schreibe ich jetzt über Bücher, die mir am Herzen liegen. Über solche, die euch vielleicht gerade über die Tage helfen können. Etwas mit Tiefsinn, etwas für die Fashionistas, etwas für Nachdenkliche, etwas Aktuelles und etwas Gesellschaftskritisches. Was mir immer hilft, wenn der andere Virus, das Internet, und die Nachrichtenmaschinerie mal wieder Überhand nehmen? Ein Blick ins Buch.

Kudos – Rachel Cusk

Die in Kanada Geborene gehört seit Ende 2019 zu meinen liebsten Neuentdeckungen, Ihr neuestes Werk, Kudos, gleichzeitig der Abschluss einer Trilogie, zeigt die Protagonistin Faye meist nur als Kontur, die sanft, meist nur am Rande in Erscheinung tritt. Erzählungen der anderen legen ihren Charakter fest. Skurrile Interviews, die Faye, statt über sich Auskunft zu geben, als oft nur stumme Zuhörerin durchzustehen hat. Rachel Cusk beherrscht diese Personenschilderung perfekt, und der dazugemischte Humor gehört, so wie die feine Einkreisung der Hauptfigur, ganz klar zu ihren Stärken, Ihre Art des Erzählens ist schwerelos, sie schleicht sich mit Worten an und hat mich nicht mehr losgelassen.

Older but better but older – Caroline de Maigret and Sophie Mas

Caroline de Maigret war Influencerin, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Zudem war sie Model und Karl Lagerfelds Muse. Sie ist und bleibt Stilikone, Auch meine. Zusammen mit Sophie Mas hat sie kürzlich den Folgeband von How to Be Parisian rausgebracht. Ihr Pariser Stil ist legendär, aber auch typisch, ein Markenzeichen und eine Lebenseinstellung. Alles zusammen plus das Thema des Älterwerdens bringt sie in ihrem neuen Buch auf den Punkt. Ideal auch als Accessoire für den Coffee Table. Noch mehr lässige Attitüde, versprüht von der 42-Jährigen herself, findet ihr auf ihrem Instagram-Account: @carolinedemaigret.

Minimalismus – Josuha Fields Millburn/Ryan Nicodemus

Spätestens seit 2016 ist das Leben im Sparmodus in aller Munde, Netflix hat den Hype gefördert, jeder zweite Kolumnist hat seinen Senf dazugemischt. Ja, auch ich bin einer dieser Senfmischer. Diese asketisch angehauchte Bewegung zeigt vor, wie man sich von Besitz befreien und wie befreiend dieser Verzicht sein kann, oder auch nicht. Mir gefällt der Gedanke, sich von Unrat zu lösen, von Dingen, die eigentlich nur im Weg herumstehen und abgestaubt werden müssen. Die Idee hinter Minimalismus lässt sich so zusammenfassen: Verkleinere deinen Besitz so, dass er in einem Koffer Platz hat. Das kann befriedigend sein, muss es aber nicht. Der strikte Minimalist meint ja, alles sei vergänglich, und wer möchte schon in einem Museum wohnen, in dem Sachen langsam zerfallen? Hat was. Ich bin dennoch eher der Semi-Minimalist, ich mag es ordentlich, ich mag es reduziert, und ich mag die regelmäßige Rückbesinnung auf die substanziellen Dinge im Leben. Und das ist nun mal nichts Materielles. Die beiden Autoren erinnern mich daran. Besonders in Zeiten wie diesen.

Super Attractor – Gabrielle Bernstein

Viele von euch kennen Gabrielle Bernstein vielleicht, manche aber noch nicht. Daher lasse ich sie am besten selbst sprechen: “I’ve always known that there is a non-physical presence beyond my physical sight. All my life I’ve intuitively known how to tune into it and use it as a source for good.” Die US-Schriftstellerin ist ebenso Speaker und Coach, bekannt wurde sie spätestens 2009, als die New York Times sie zum Guru für die kommende Generation ausrief. Die Frau verkörpert Power wie sonst keine, ihre Kraft, ihr Einsatz, besonders für Gründerinnen und Frauen, die ein Business führen, sind Inspiration und Abenteuer zugleich. Was ist nun ein Super Attractor? “Being a Super Attractor means that what I believe is what I will receive. I can co-create the world I want to see by aligning with good-feeling emotions and directing them toward my desires.”

Lichtgrüße vor der unendlichen Nacht – Antoine de Saint-Exupéry

Ich gebe es zu, schöne Buchcover fesseln mich und verleiten mich in der Regel zum Kauf. Diese Sonderausgabe im Langen Müller Verlag, gefunden im Uni-Buchladen in der Zinzendorfgasse, hat mich nicht mit leeren Hände heimgehen lassen. Wie gefühlt jeder bin auch ich ein Fan des Kleinen Prinzen. Und überhaupt des Autors. Antoine de Saint-Exupéry: Eine Lebensgeschichte, ein Schicksal, das die Fantasie für sich schon fast überfordert. Hier handelt es sich um eine gedankenvoll zusammengestellte Sammlung von Lebenserkenntnissen, erhellenden Wahrheiten, die zeitlos sind und gerade in Schattenmomenten ein bisschen Licht spenden. Die vorgestellten Aphorismen sind nach Themenkreisen geordnet, die das Werk und Weltbild des Dichters bestimmen. Gleichzeitig geben sie Zugang zu seinem Gesamtwerk. Meine aktuelle Lektüre: Hat einen Fixplatz am Nachttisch.
*Redaktioneller Inhalt.

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