GETTING REAL // Insta Shaming

Jetzt drehen wir den Spieß mal um, liebe Fremdschämer! Wir kennen die Vorwürfe, die Vorurteile, die schiefen Blicke während eines Shootings. Wir nehmen sie hin, wir lächeln darüber hinweg, bis zu einem gewissen Grad leisten wir sogar digitale Entwicklungshilfe und erklären interessierten Glotzern Sinnhaftigkeit und Mehrwert von Social Media, sofern ihr engstirniger Geist noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sein mag. Man möchte es kaum glauben, aber es gibt sie im Jahr 2018 wirklich noch, die Insta-Shamer, die Selfie-Fremdschämer, die jedes Mal ihre Äuglein verdrehen, wenn am Nebentisch Bilder vom Brunch geschossen werden.

Ja, stellt euch vor, wir nennen uns Influencer, weil wir die Qualität unseres Contents jeden Tag aufs Neue weiterentwickeln.

Ein Wort an euch, liebe Augenverdreher und Sprücheklopfer! Ja, wir lassen dabei auch mal unseren Kaffee, auch unser Essen kalt werden, wir arrangieren ebenso gerne das Setting und inszenieren schöne Augenblicke, stehen vor Häuserfassaden, posen öfter als ihr, unterhalten, informieren, geben Einblicke in Brisantes, auch mal in Banales. Ja, stellt euch vor, wir nennen uns Influencer, weil wir die Qualität unseres Contents jeden Tag aufs Neue weiterentwickeln, unser Verständnis für neue Medien regelmäßig überdenken und, in meinem Fall besonders wichtig, unseren ästhetisch-kreativen Anspruch in die Tat umsetzen möchten. Für uns, für unsere Community.

Ihr könnt künftig auf euer eigenes Smartphone starren, anstatt uns mit genervten Blicken zu behelligen, und wir können ungestört unsere Acaì Bowl mit Superfoods fotografieren.

Und ja, nennt uns von mir aus Selbstdarsteller oder Narzissten. Bezeichnet Instagram als schädliche App, als Lightversion von Stalking. Macht, was ihr wollt. Aber, werdet endlich erwachsen! Füllt euer Leben mit Beschäftigung, werdet selbst tätig, verwirklicht eure Träume und hört auf, andere zu bewerten, zu beurteilen, wovon ihr ohnehin keine Ahnung habt. Vielleicht findet ihr ja selbst eine anspruchsvolle App, Pokémon Go soll der Renner sein. Ihr tut euch und uns damit einen riesigen Gefallen: Ihr könnt künftig auf euer eigenes Smartphone starren, anstatt uns mit genervten Blicken zu behelligen, und wir können ungestört unsere Acaì Bowl mit Superfoods fotografieren.

Wenn ihr, liebe Fremdschämer, das nächste Mal auf uns Content Creator trefft, die wir nach Selfie Spots mit originellem Hintergrund auf der Suche sind, macht euch keine Gedanken über unsere vermeintlichen Komplexe oder Persönlichkeitsstörungen, spart euch eure kleinkartierten Kommentare, eure prüden Sprüche einfach. Ob ihr es glaubt oder nicht, eure Meinung ist nicht die einzig richtige, auch wenn ihr damit hausieren geht. Nein, ihr seid nicht so tolerant, wie ihr glaubt! Eure gelebte Intoleranz steht euch nicht.

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